Stadt und Raum sehen, verstehen und mitgestalten

Prof. Dr. Ariane Sept neu an der HM und der AG

Von Ariane Sept

Seit Anfang Oktober 2022 bin ich Professorin für Partizipative Kommunalentwicklung und Gemeinwesenarbeit an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München.

Die letzten vier Jahre verbrachte ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner bei Berlin und habe vor allem zu sozialen Innovationen in der ländlichen Entwicklung, insbesondere in strukturschwachen Räumen, geforscht. Dabei hat mich ganz besonders die spezifische Rolle des zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements in ländlichen Räumen interessiert. Auch der kontinuierliche Austausch mit Akteuren der Raumentwicklung, im Land Brandenburg wie deutschlandweit, war mir immer ein Anliegen. Als Lehrbeauftragte am Institut für Stadtplanung der BTU Cottbus-Senftenberg hatte ich zudem die Möglichkeit, unterschiedliche Lehrformate von Vorlesung bis zu Projekt und Exkursion durchzuführen.

Am Anfang meines beruflichen Lebens stand ein Studium Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin. Seit 2006 bin ich daher Diplomingenieurin. Nun mag es zunächst erstaunen, dass eine Dipl.-Ing. an einer Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften Professorin wird. Eigentlich aber ist es ganz logisch. Schon während des Studiums und in den ersten Jahren danach habe ich mich vor allem mit benachteiligten Stadtteilen beschäftigt: meine Diplomarbeit behandelte das europäische Programm URBAN in Italien, für ein Interreg-Projekt zu nachhaltiger Stadtteilentwicklung in Südeuropa war ich in der wissenschaftlichen Begleitung der Stadt Rom involviert. Irgendwie war ich dann für einige Jahre freiberuflich in den Bereichen angewandte Stadtforschung und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Projekte wie „Kirche findet Stadt“ oder die Auseinandersetzung zum „Umgang mit baulichen Überresten an Orten ehemaliger Konzentrationslager“ haben mich während dieser Jahre geprägt. Im Vergleich zu meinen Kolleg:innen aus den Sozial- oder Geschichtswissenschaften hatte ich jedoch immer ein wenig das Gefühl, dass meine methodischen Kompetenzen beschränkt sind.

2015 ergab sich schließlich die Möglichkeit, am Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft heute“ am Institut für Soziologie der TU Berlin zu promovieren. Die drei Jahre habe ich für meine Dissertation zu Entschleunigung in Klein- und Mittelstädten genutzt, habe aber auch versucht, nicht nur Hartmut Rosa zu lesen, sondern so viel soziologisches Wissen wie nur möglich aufzunehmen. Vor allem die qualitativen Methoden in möglichst vielen Ausprägungen hatten es mir angetan. Als ich im letzten Jahr an der Uni Botswana online einen internationalen Kurs zum Sampling im qualitativen Stadtvergleich geben durfte, war ich sicher, dass ich mich auch methodisch nicht verstecken muss.

Ich freue mich, dass ich nun meine unterschiedlichen Erfahrungen in Lehre und Forschung an der Hochschule zusammenbringen kann. Da ich erst für diese neue Aufgabe nach München gezogen bin, muss ich zunächst einmal die Stadt und ihre Akteur:innen kennenlernen. Das Explorieren von Stadt ist gleichzeitig wichtiger Bestandteil meiner Lehre, so dass ich schon jetzt auch von Studierenden lerne. Und ein solches gemeinsames Lernen beschreibt vielleicht auch meinen wichtigsten Zugang zur Lehre: mitunter habe ich mehr konkretes Fachwissen, mehr Bücher gelesen, mehr geforscht oder mehr geschrieben, aber den Alltag dieser Stadt – den kennen die Studierenden viel besser als ich.

In diesem Sinne vertrete ich in der Sozialen Arbeit ein sehr kleines Randgebiet, aber auch und gerade in der Gemeinwesenarbeit muss der Blick für und im sozialem Raum geschult sein, um Zugang zu Bewohner:innen zu bekommen und Probleme zu erkennen. Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, in die AG auch Themen einzubringen, die in der Großstadt München im Moment vielleicht weniger präsent sind. Dies betrifft vor allem den demografischen Wandel, den wir in strukturschwachen ländlichen Räumen schon heute mit all seiner Wucht spüren.

Ich freue mich auf viele spannende Gespräche und Diskussionsformate mit den Kolleg:innen, von denen ich sicher noch sehr viel lernen werde! Und ich möchte danke sagen für die freundliche Aufnahme an der Hochschule und in der AG Soziale Arbeit.

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